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Erste Erfahrungen
über den Einsatz einer Datenbank in einem mehrjährigen
Projekt sammelte der Archäologe und Programmierer Chr. Froh
1997 im Dürrnberg-Projekt von Dr. Th. Stöllner, der archäologischen
Untersuchung keltischen Salzbergbaus in Österreich. Nachdem
der Verfasser an einer Kampagne teilgenommen hatte, wurde er vom
Projektleiter Stöllner angestellt, um in der Herbst- und Winterzeit
die Objekte der aktuellen Kampagne in eine Datenbank einzugeben.
Froh erkannte bald
einige Defizite der bestehenden Datenbank. Sie resultierten zum
großen Teil aus der Tatsache, daß diese für die Aufnahme musealer
Bestände in Dänemark konzipiert war. Ihre darauf abgestimmte Struktur
erlaubte es nicht, den Erfordernissen der Grabung vollständig Rechnung
zu tragen. So mußten immer wieder zusätzliche Programmcodes und
Abfragen kreiert werden.
Dem Verfasser kam
bei dieser Aufgabe seine langjährige Erfahrung mit Computern und
Basic-Programmierung zugute. Erste Eindrücke sammelte er bereits
während seiner Schulzeit in den achtziger Jahren auf dem legendären
C64 von Commodore und dem Nachfolgermodell Amiga, auf denen er seine
eigenen Adress- und Platten-Dateien entwarf.
Mit diesem Vorwissen
konnte sich Froh schneller als die übrigen Teilnehmer in die Funktionsweise
des Datenbank-Programms Access von Microsoft einarbeiten. Diese
Fähigkeit wurde vom Projektleiter erkannt und honoriert, indem er
den Verfasser von der reinen Eingabe weitestgehend befreite und
stattdessen mit der Pflege der Datenbank betraute.
In dieser Zeit kam
dem Programmierer erstmals der Gedanke, eine Datenbank, die nicht
für ein spezielles, archäologisches Projekt, sondern als eine Art
Rahmenprogramm grundsätzlich für jedes Projekt angewandt werden
könnte, zu entwickeln. Dies sollte fortan sein Anspruch sein, in
den alle weiteren Erfahrungen eingingen.
Froh nahm deshalb
ein Angebot vom Leiter des Marburger Instituts für Vor- und
Frühgeschichte Prof. Dr. Müller-Karpe an, eine Datenbank für
das Kusakli-Projekt, der Untersuchung einer hethiterzeitlichen Stadtanlage
in Anatolien, zu entwickeln.
Müller-Karpe hatte
bereits Jahre vor diesem Angebot, zu Beginn der Ausgrabungen in
Kusakli 1992, erkannt, daß die Unmengen von Daten sich dereinst
nur mit dem Computer auswerten lassen würden. Er hatte deshalb,
ohne selbst über tieferes Wissen in der Programmierung zu verfügen,
seine Dokumentation von Anfang in einer Weise gestaltet, die die
spätere Eingabe in die Datenbank wesentlich erleichterte!
Dies bedeutete für
den Programmierer, bei dieser Auftragsarbeit an ein bereits bestehendes
System gebunden zu sein. Vorteil davon war die relativ schnelle
Realisierbarkeit einer Datenbank, die Froh erste, größere praktische
Erfahrungen in der Entwicklung einer Struktur für eine archäologische
Datenbank ermöglichte.
Da er unter diesen
Umständen seinen eigenen Anspruch im Rahmen des Projektes nicht
verwirklichen konnte, entwickelte er Ende 1999 für seine Magisterarbeit,
die Aufarbeitung einer Altgrabung am spätantiken Burgus von Niederlahnstein
bei Koblenz, eine Datenbank, die als erster Prototyp von DigIt!
gelten kann. Zusätzlich entwarf er mit Machlit einen ersten Vorläufer
der ArchLit-Literaturdatenbank.
Die Datenbanken sollten
über eine komplette Benutzeroberfläche verfügen, die dem Anwender
keine Vorkenntnisse in Access abverlangte. Sie sollten ihm die Gestaltung
seiner Eingaben und die Auswertung durch Abfragen weitestgehend
selbst überlassen, gleichzeitig aber auch die Möglichkeit bieten,
seine Informationen mit anderen Nutzern abzugleichen und auszutauschen.
Als Froh bald nach
seinem Abschluß in Ur- und Frühgeschichte 2001 als Grabungsleiter
für das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie in Sachsen-Anhalt
tätig wurde, hatte er während mehrfacher Projekte die Gelegenheit,
seine Datenbanken durch die in der Praxis gesammelten Erfahrungen
zu verbessern und an die Erfordernisse moderner Grabungstechnik,
wie z. B. Einmessung mit dem Tachymeter oder die grafische Umsetzung
der Suchergebnisse in einem GIS- bzw. CAD-Programm, anzugleichen.
Prototypen von DigIt!
kamen auf so unterschiedlichen Untersuchungen wie einer Trassen-,
einer Stadt- und mehreren Klostergrabungen zum Einsatz.
Zur Zeit wird die
Datenbank für die Aufnahme und Auswertung des bajuwarischen
Gräberfeldes Emmering, Lkr. Fürstenfeldbruck, verwandt.
Außerdem wird
sie vom montanarchäologischen Institut des Deutschen-Bergbaumuseums
in Bochum für alle Projekte verwandt. Das Institut dient dem
Programmierer als Beta-Tester. Seit Oktober 2007 ist der Verfasser
als wissenschaftlicher Mitarbeiter der Universität Marburg
u. a. für die Betreuung der Türkei-Projekte Prof. Dr.
Müller-Karpes zuständig. Auch hierbei kommt die Datenbank
zum Einsatz.
Nach nunmehr langjähriger
Entwicklungszeit hat der Programmierer mit der auf dieser Site vorliegenden
Ausgabe von DigIt! erstmals eine Datenbank ins Netz gestellt, in
der seine in ständiger, praktischer Aufnahme- und Aufbereitungsarbeit
von großen archäologischen Komplexen gesammelten Eindrücke eingeflossen
sind und die es ermöglicht, die Arbeit, welche ein Archäologe in
der Realität leistet, 1 zu 1 in den Rechner umzusetzen.
Zu beachten sei hierbei,
daß sich die Datenbank nicht allein zur Aufnahme der Bestände,
sondern gerade auch zu deren Auswertung eignet. Mögliche, auf
den ersten Blick zunächst ein wenig kompliziert anmutende Vorgänge
während der Eingabe wurden bewußt in Kauf genommen, um
die universelle Einsetzbarkeit und die auswertenden Fähigkeiten
der Datenbank zu optimieren.
Die aktuelle Version
ist keinesfalls als Schlußpunkt zu sehen. Der modulare Aufbau des
Systems ermöglicht es vielmehr, auch in Zukunft noch weitere Anfügungen
und Neuerungen einzubinden, um Benutzerfreundlichkeit und Funktionalität
stetig zu steigern.
Doch hat die Datenbank
mittlerweile einen Stand erreicht, der ein wissenschaftliches Arbeiten
mit ihr ermöglicht.
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